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Artikel aus 2004

Teil 2:
Lehren und Lernen mit neuen Medien im Schulunterricht
Funktionen der Lehrplattform (Content-Distribution, Gruppen-Kommunikation)

CHRISTIAN EDER


Die Lehrplattform Ilias, in der für die Universität Wien vorliegenden Version, bietet verschiedenste Möglichkeiten, die Online-Phasen von Blended Learning Lehrveranstaltungen, zu gestalten, wobei in diesem Seminar hauptsächlich die Funktionen der Diskussionsforen und der Autorenbereich genutzt wurden. Die Projektgruppe »eLearning« verwendete das integrierte Autorensystem, um eine kleine Lerneinheit zu gestalten.



Initial D
ie Gruppenverwaltung, ein zentraler Bestandteil der Lehrveranstaltung, ist durchaus positiv zu sehen. Für die Lehrveranstaltung wurde ein sehr straff strukturiertes Verwaltungssystem gewählt, welches insgesamt 4 Gruppen beinhaltete - ein Plenum, das für alle Studierenden zugänglich war und drei Kleingruppen (zu jeweils 3-5 Personen), welche nur für die jeweiligen Gruppenmitglieder geöffnet waren. Die Struktur wurde im Laufe der vergangenen Lehrveranstaltungen entwickelt und hat sich, hinsichtlich Kommunikation und Aufwand (Informationsfluss) für die Studierenden, als probates Mittel erwiesen.
Ilias wurde den Studierenden innerhalb des ersten Präsenztermins vorgestellt. Um die Teilnehmer an die Lehrplattform heranzuführen, wurde eine einfache Aufgabe (posten eines Kommentars in das Diskussionsforum) gestellt, die von den Studierenden ohne Probleme bewältigt wurde. Wie die Erfahrungen in dieser Lehrveranstaltung gezeigt haben, ist die Grundbedienung von Ilias intuitiv - besondere Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Dennoch sollte der Vorstellung einer Lernplattform ausreichend Platz gewidmet werden, um einerseits die Studierenden behutsam an die Bedienung heranzuführen und andererseits, um das Medium selbst zum Thema zu machen.

Die Diskussionsforen (sowohl Plenum- als auch Gruppendiskussionen) stellten einen zentralen Bestandteil des Seminars dar.
Im Plenum wurden alle 14 Tage ausgewählte theoretische Texte diskutiert, wobei jeweils zwei Studierende als Moderatoren dieser Literaturdiskussion fungierten. Diese formulierten Leitfragen zum Literaturtext um die Diskussion in Gang zu bringen und waren für die Online-Diskussion in motivierender, hinweisender und zusammenfassender Weise verantwortlich. Durch die Übertragung der Verantwortlichkeit der Diskussionsmoderation an die Studierenden, konnte ein verstärktes Engagement gegenüber früheren Lehrveranstaltungen beobachtet werden. Die Qualität der Beiträge war hochwertig und führte teilweise zu interessanten interdisziplinären Diskussionen, die sich in den Realphasen weiterentwickelten. Von Seiten der Studierenden war es für viele eine neue Erfahrungsdimension, fachlich auf einer Plattform Stellung zu nehmen - beklagt wurde die fehlende soziale Interaktion, die das Medium nicht bieten kann, aber auch die zeitliche Verzögerung der Kommunikation (nicht alle Studierenden waren jeden Tag auf der Plattform).

In den Gruppendiskussionsforen konnten verschiedene Nutzungen beobachtet werden - eine Gruppe benutzte ihr Gruppenforum intensiv zum Gedankenaustausch und zur inhaltlichen Diskussion, eine andere Gruppe wiederum, deren Mitglieder sich fast täglich face to face an der Uni trafen, verwendete es anfänglich nur sporadisch und griff auf alternative Kommunikationsformen (e-Mail, Telefon) zurück und die dritte Gruppe verwendete ihr Forum hauptsächlich für organisatorische Belange, für Terminvereinbarungen, für den Informationsaustausch und die Zusammenstellung der verpflichtenden Gruppenberichte.
Im Laufe der Lehrveranstaltung stellte sich heraus, dass die Diskussionsforenübersicht bei vielen Beiträgen unübersichtlich wurde, obwohl einerseits eindeutige Themen angelegt wurden, andererseits die Lehrveranstaltungsgröße eher gering, gegenüber z.B. Vorlesungen, war. Der Wunsch nach mehr Übersichtlichkeit in der Lehrplattform, vor allem in den Diskussionsforen, war in der der zweiten Semesterhälfte allgegenwärtig.

Der Autorenbereich wurde von der Projektgruppe »eLearning«, die im Rahmen des Seminars eine kleine Lerneinheit erstellte, verwendet. Die Studierenden stießen relativ schnell an die Grenzen der Plattform Ilias bei der Lerneinheitserstellung. Grundlegende Anforderungen und Funktionen für die Erstellung von Lerneinheiten konnten mit Ilias nicht realisiert werden (z.B. Darstellung von vernetzten Strukturen, Einbindung einer Volltextsuche, Gestaltung eines individuellen Bildschirmdesigns, freie Platzierung der Inhalte). Die Erwartungen der Studierenden, die sich intensiv mit der Gestaltung einer Lerneinheit auseinandersetzten, sowohl in theoretischer, als auch in praktischer Hinsicht, konnten nicht befriedigt werden - die Möglichkeiten des Autorentools von Ilias wurden durchwegs als bessere Unterstützungsmöglichkeit bei der Umsetzung eines elektronischen Buches eingestuft.
Die Erfahrungen zeigen, dass das Autorentool von Ilias für Inhalte von Vorlesungen (Darstellung von Text und Grafiken) durchaus geeignet ist. Hingegen ist die Gestaltung von modernen multimedial gestalteten und didaktisch sinnvollen Lehr- bzw. Lerneinheiten, die z.B. einem konstruktivistischen Ansatz folgen und damit ein kritisches -, vernetztes - und ganzheitliches Denken fördern sollen, kaum zu realisieren (dies ist aber bei vielen Lehrplattformen nur sehr schwer möglich und erfordert zumeist Eigenentwicklungen mit speziellen Autorenprogrammen).

DIE ZEITLICHE DIMENSION (WORKLOAD) FÜR STUDIERENDE


Dem studentischen Aufwand hinsichtlich der zeitlichen Dimension von Blended Learning Szenarien ist bei der Planung, Realisierung und Optimierung von E-Learning Lehrveranstaltungen verstärkt Beachtung zu widmen.
Im Laufe der Lehrveranstaltungen erstellten die Studierenden Wochenzeitprotokolle, welche den Gesamtaufwand pro Woche (Workload) für das Seminar darstellen. Die Protokolle beinhalteten Zeitangaben auf der Realebene (Treffen für Projekte, Projekterstellung usw., aber keine Treffen im Gesamtplenum), bzw. auf der virtuelle Ebene (Online-Aufwand für Diskussionsforen, Gruppenberichte usw.).
Im Untersuchungszeitraum von 5 Wochen (darin war kein Realtreffen des Gesamtplenums enthalten) wurden im Schnitt 138 Minuten pro Studierende für die Lehrveranstaltung aufgewendet. Zusätzlich zu diesem Online-Zeitaufwand waren im Semester vier Realtreffen des Gesamtplenums mit einer Gesamtzeit von ca. 20 Stunden zu leisten. Somit ergibt sich ein Gesamtaufwand von mehr als 60 Stunden, welche 20 Prozent über den Vorgaben der ECTS-Richtlinien liegt.
Neue Formen der Lehre brauchen neue - bzw. deutlich überarbeitete Definitionen hinsichtlich des studentischen Lernaufwandes. Die derzeitige Implementierung von ECTS-Points kann nur bedingt auf eLearning-Szenarien angewendet werden - eine Adaption speziell für eLearning-Lehrveranstaltungen sollte in Zukunft bei Curriculumentscheidungen überlegt werden.

INHALTLICHER ABRISS DER KLEINGRUPPE »ELEARNING«


Eine Projektgruppe von 5 Studierenden befasste sich im Rahmen des Seminars mit den Grundlagen des eLearnings. Ziel der Projektarbeit war es, den Studierenden einen ersten Einblick in die Grundlagen -, Funktionen -, Möglichkeiten - und didaktischen Modelle von eLearning zu verschaffen, BestPractise-Modelle aus Österreich und Deutschland kennen zu lernen und basierend auf dem theoretischen Wissenserwerb eine kleine Lerneinheit zur Thematik »Neue Wege in der Bildung - Medienkompetenz« zu entwickeln.
Jeder Arbeitsphase war ein studentischer Koordinator/Moderator zugeteilt, welcher einerseits die terminlichen Vorgaben zu überwachen hatte, aber auch die inhaltliche Diskussion und Koordinaton innerhalb der Gruppe zu organisieren hatte. Dies funktionierte in dieser Gruppe ohne große Probleme.
In der ersten Gruppenphase wurde den Gruppenteilnehmern jeweils ein Grundlagentext zur Thematik ausgehändigt. Die Aufgabe bestand darin, diesen Text für die anderen Gruppenmitglieder aufzubereiten und erste Überlegungen zur Inhaltspräsentation anzustellen. Danach wurden die Texte online diskutiert und erste Ausrichtungen für die Lerneinheit entwickelt.
Die zweite große Gruppenphase bestand aus der Auseinandersetzung mit bereits existierenden Projekten und BestPractice-Modellen der österreichischen Ausschreibungen »Neue Medien in der Lehre an Universitäten und Fachhochschulen« des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur bzw. des deutschen Förderprogramms »Neue Medien in der Bildung - Hochschulen« des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Obwohl die Projekte für Bildungseinrichtungen frei zugänglich sein sollten, konnten viele Projekte von den Studierenden kaum oder nur eingeschränkt benutzt werden.
Die abschließende Gruppenphase bestand in der Erstellung der Lerneinheit. Die Studierenden wurden dabei vor allem, neben der inhaltlichen Auseinadersetzung, mit Fragen der Projektentwicklung und des Projektmanagements konfrontiert. Die Organisation wurde in dieser Phase komplett den Studierenden überlassen - dies war deshalb möglich, da die Kleingruppe eine solche Eigendynamik entwickelte, die sich deutlich über der »normalen« Mitwirkung von Studierenden abhob. Als hilfreich haben sich in nachfolgenden Gesprächen mit den involvierten Personen folgende Punkte herausgestellt:

1.  Klare Hierarchien
2.  Klarer Formulierung der Aufgabenstellungen
3.  Konkrete Verteilung der Arbeitsaufgaben
4.  Realistische terminliche Zielvereinbarungen
5.  Vernetzung der Studierenden auf der Arbeitsplattform
6.  Dokumentation der Arbeitsschritte auf der Arbeitsplattform

Die Lerneinheit wurde termingerecht fertig gestellt und den anderen SeminarteilnehmerInnen zugänglich gemacht. Die Rückmeldungen diesbezüglich waren durchaus positiv - kritisiert wurde die Textlastigkeit der Einheit, die aber hauptsächlich auf die Arbeitsplattform zurückzuführen ist (siehe auch Funktionen der Lehrplattform). Allerdings würde eine multimediale Aufbereitung und Gestaltung von Lerneinheiten den Rahmen dieser Lehrveranstaltung bei weitem sprengen.

Zu Teil 1: Martin Hämmerle zur grundlegenden Durchführung der Lehrveranstaltung
Zu Teil 3: Gerhard Wagner über die Arbeit in der »Projektgruppe Radio«


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